Rückkopplungen - Ursachen und Lösungen
Verfasst: 7. Jul 2003 09:30
Hallo,
erst kürzlich wurde in der Mailingliste wieder das Thema Rückkopplungen angesprochen. Da dies unter Musikern immer wieder ein heißes Thema ist, hier einige Anregungen.
Ursachen:
Rückkopplungen entstehen, wenn das über Mikrofone aufgenommene und anschließend verstärkte Signal über irgendeinen Lautsprecher (sei es Monitorbox oder PA) abgestrahlt wird und wieder zum Mikro gelangt.
Es entsteht somit eine Verstärkungsschleife, die, sobald sie zu groß wird, ein sinusähnliches Störsignal, bekannt als Rückkopplung, verursacht.
Lösungen:
- die Verstärkung innerhalb des Kreises klein halten!
Wie kann man dies erreichen?
- Mikrofone und Monitor/PA so aufstellen, dass möglichst wenig des verstärkten Signals zurück auf das Mikrofon gelangt. Hierzu bitte auch die Richtcharakteristik der Mikrofone beachten! Jedes Mikrofon hat ein Beiblatt, auf welchem die Richtcharakteristik als Diagramm aufgezeichnet ist. Dort kann man sehr leicht den/die Winkel der geringsten Empfindlichkeit ablesen. Für Nierenmikros ist dies (bezogen auf die Hauptaufsprechrichtung = 0°) 180°. Für Supernierenmikros ist dies ungefähr 135° und 225°. Die Monitore sollten also gegebenenfalls auf diese "Dead-Spots" zielen. Zu beachten ist, dass für tiefe Frequenzen jedes Mikrofon eine Kugelcharakteristik besitzt, was bedeutet, der Schall wird hier für alle Winkel aufgenommen. Dies liegt einfach daran, dass tiefe Frequenzen aufgrund der Wellenlänge sehr leicht um das Mikrofon herumgebeugt werden können und somit auch alle Maßnahmen der Mikrofonhersteller umgehen. Wenn das Mikrofon also nicht gerade die Bassdrum oder den Bass (der eh besser per DI-Box abgenommen wird) übertragen soll, kann man hier am Mischpult mittels Lo-Cut (meist bei 100 Hz) viel erreichen.
- Mikrofone immer hinter der PA aufstellen und niemals davor!
- extreme Einstellungen am Mischpult EQ vermeiden! Man muss nicht immer die Höhen anheben, damit es seidiger klingt, sondern kann auch störende Frequenzen absenken! Jede Anhebung am EQ erhöht die Verstärkung und somit die Gefahr von Rückkopplungen. Mischpult-EQs heben fast immer breitbandig an, sprich auch Frequenzen ober und unterhalb der Grenzfrequenz. Ist aufgrund von Unebenheiten im Frequenzgang der PA oder der Monitore hier eine Frequenz zu finden, die nur knapp unterhalb der Rückkopplungsschwelle liegt, könnte diese durch eine Anhebung am Kanal-EQ über die Rückkopplungsschwelle gehoben werden und es beginnt zu pfeifen. Also, lieber absenken als anheben!
- werden Geräte zur Rückkopplungsunterdrückung benutzt (z. B. Sabine Feedback-Killer oder Behringer Feedback-Exterminator), so sollte diesen stets nur das Mikrofonsignal (oder die Summe der Mikrofonsignale) zugeführt werden und nicht auch die Instrumentensignale von Keyboards etc.! Diese Geräte analysieren das ihnen zugeführte Signal und unterdrücken durch das automatische Setzen äußerst schmalbandiger Filter jedes sinusähnliche Signal, das irgendwie an eine Rückkopplung erinnert. Durch das Zuführen von Instrumentensignalen werden diese Geräte ungenauer und verschwenden häufig viele ihrer Filter, so dass im Ernstfall für eine Rückkopplung kein Filter mehr übrig bleibt. Also, besser den Kanal-Insert (für Einzelmikros) oder einen Subgruppen-Insert (für eine Mikrofon-Summe) benutzen!
- Niemals den Mikrofonkorb mit der Hand umfassen (machen Schüler gerne, weil es cool aussieht und die Rapper es ja auch so machen)! In diesem Fall ändert sich die Richtcharakteristik des Mikrofons zu einer Kugel und die Rückkopplungsgefahr steigt erheblich. Dies hat bauliche Gründe: Die Hersteller führen der Mikrofon-Membran auch einfallenden Schall von hinten und den Seiten zu, der dann über eine geschickte Mechanik in der Laufzeit verzögert auf die Membran trifft. Durch die Gesetze der Physik löschen sich diese Signalanteile aus oder addieren sich. Dadurch entsteht die jeweilige Richtcharakteristik. Ein Mikrofon, welches hinten geschlossen ist, hat immer eine Kugelcharakteristik! Aus diesem Grund niemals den Korb von hinten zuhalten!
Ich hoffe, ich kann den rückkopplungsgeplagten Ohren mit diesen Tips ein wenig Ruhe verschaffen.
Viele Grüße,
Markus
erst kürzlich wurde in der Mailingliste wieder das Thema Rückkopplungen angesprochen. Da dies unter Musikern immer wieder ein heißes Thema ist, hier einige Anregungen.
Ursachen:
Rückkopplungen entstehen, wenn das über Mikrofone aufgenommene und anschließend verstärkte Signal über irgendeinen Lautsprecher (sei es Monitorbox oder PA) abgestrahlt wird und wieder zum Mikro gelangt.
Es entsteht somit eine Verstärkungsschleife, die, sobald sie zu groß wird, ein sinusähnliches Störsignal, bekannt als Rückkopplung, verursacht.
Lösungen:
- die Verstärkung innerhalb des Kreises klein halten!
Wie kann man dies erreichen?
- Mikrofone und Monitor/PA so aufstellen, dass möglichst wenig des verstärkten Signals zurück auf das Mikrofon gelangt. Hierzu bitte auch die Richtcharakteristik der Mikrofone beachten! Jedes Mikrofon hat ein Beiblatt, auf welchem die Richtcharakteristik als Diagramm aufgezeichnet ist. Dort kann man sehr leicht den/die Winkel der geringsten Empfindlichkeit ablesen. Für Nierenmikros ist dies (bezogen auf die Hauptaufsprechrichtung = 0°) 180°. Für Supernierenmikros ist dies ungefähr 135° und 225°. Die Monitore sollten also gegebenenfalls auf diese "Dead-Spots" zielen. Zu beachten ist, dass für tiefe Frequenzen jedes Mikrofon eine Kugelcharakteristik besitzt, was bedeutet, der Schall wird hier für alle Winkel aufgenommen. Dies liegt einfach daran, dass tiefe Frequenzen aufgrund der Wellenlänge sehr leicht um das Mikrofon herumgebeugt werden können und somit auch alle Maßnahmen der Mikrofonhersteller umgehen. Wenn das Mikrofon also nicht gerade die Bassdrum oder den Bass (der eh besser per DI-Box abgenommen wird) übertragen soll, kann man hier am Mischpult mittels Lo-Cut (meist bei 100 Hz) viel erreichen.
- Mikrofone immer hinter der PA aufstellen und niemals davor!
- extreme Einstellungen am Mischpult EQ vermeiden! Man muss nicht immer die Höhen anheben, damit es seidiger klingt, sondern kann auch störende Frequenzen absenken! Jede Anhebung am EQ erhöht die Verstärkung und somit die Gefahr von Rückkopplungen. Mischpult-EQs heben fast immer breitbandig an, sprich auch Frequenzen ober und unterhalb der Grenzfrequenz. Ist aufgrund von Unebenheiten im Frequenzgang der PA oder der Monitore hier eine Frequenz zu finden, die nur knapp unterhalb der Rückkopplungsschwelle liegt, könnte diese durch eine Anhebung am Kanal-EQ über die Rückkopplungsschwelle gehoben werden und es beginnt zu pfeifen. Also, lieber absenken als anheben!
- werden Geräte zur Rückkopplungsunterdrückung benutzt (z. B. Sabine Feedback-Killer oder Behringer Feedback-Exterminator), so sollte diesen stets nur das Mikrofonsignal (oder die Summe der Mikrofonsignale) zugeführt werden und nicht auch die Instrumentensignale von Keyboards etc.! Diese Geräte analysieren das ihnen zugeführte Signal und unterdrücken durch das automatische Setzen äußerst schmalbandiger Filter jedes sinusähnliche Signal, das irgendwie an eine Rückkopplung erinnert. Durch das Zuführen von Instrumentensignalen werden diese Geräte ungenauer und verschwenden häufig viele ihrer Filter, so dass im Ernstfall für eine Rückkopplung kein Filter mehr übrig bleibt. Also, besser den Kanal-Insert (für Einzelmikros) oder einen Subgruppen-Insert (für eine Mikrofon-Summe) benutzen!
- Niemals den Mikrofonkorb mit der Hand umfassen (machen Schüler gerne, weil es cool aussieht und die Rapper es ja auch so machen)! In diesem Fall ändert sich die Richtcharakteristik des Mikrofons zu einer Kugel und die Rückkopplungsgefahr steigt erheblich. Dies hat bauliche Gründe: Die Hersteller führen der Mikrofon-Membran auch einfallenden Schall von hinten und den Seiten zu, der dann über eine geschickte Mechanik in der Laufzeit verzögert auf die Membran trifft. Durch die Gesetze der Physik löschen sich diese Signalanteile aus oder addieren sich. Dadurch entsteht die jeweilige Richtcharakteristik. Ein Mikrofon, welches hinten geschlossen ist, hat immer eine Kugelcharakteristik! Aus diesem Grund niemals den Korb von hinten zuhalten!
Ich hoffe, ich kann den rückkopplungsgeplagten Ohren mit diesen Tips ein wenig Ruhe verschaffen.
Viele Grüße,
Markus